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2015 hat SAP mit SAP S/4HANA eine neue ERP-Suite vorgestellt, die für Unternehmen zur Basis für ihre digitale Transformation werden soll. Zumindest ist das der hohe Anspruch des Softwareherstellers an die eigene Lösung. Und tatsächlich bietet S/4HANA eine ganze Reihe von Technologien und Funktionen, die bei der Digitalisierung der Geschäftsprozesse unterstützen können. Eine entscheidende Rolle spielt dabei, dass sich mit S/4HANA Daten aus den Prozessen in Echtzeit verarbeiten und direkt nutzen lassen. Hinzu kommt, dass die ERP-Suite auf die Verwendung von SAP Fiori ausgerichtet ist, wodurch die Usability deutlich verbessert wird. Und: An S/4HANA lässt sich mühelos SAP Leonardo mit der SAP HANA Cloud-Plattform sowie den dazugehörigen IoT-Services und Applikationen anbinden.

All diese Neuerungen können sich positiv auf sämtliche Bereiche eines Unternehmens auswirken: von den FI/CO-Prozessen bis zur Interaktion mit den Kunden. Und auch für das Asset Management ergeben sich zahlreiche Chancen. Gleichzeitig stellt der Wechsel auf S/4HANA eine Herausforderung dar – im Wesentlichen deshalb, weil es sich dabei um weit mehr als ein technologisches Projekt handelt. Wer das Potential der neuen ERP-Suite umfassend nutzen und das Unternehmen von Grunde auf digitalisieren will, muss zwangsläufig auch eine ganze Reihe von strategischen Aspekten klären und in der Folge Geschäftsprozesse anpassen oder ganz neu etablieren. Sich dem zu entziehen, indem S/4HANA einfach nicht eingeführt wird, ist dabei keine echte Option. Denn an der digitalen Transformation führt kein Weg vorbei. Früher oder später muss jedes Unternehmen handeln, wenn es weiterhin erfolgreich sein will. Für SAP-Anwender kommt hinzu, dass SAP ERP nur noch bis 2025 unterstützt wird. Spätestens dann sind sie also gezwungen, auf S/4HANA umzustellen. Sinnvoll ist es vor diesem Hintergrund aus unserer Sicht, schon frühzeitig auszuloten, wie sich das Unternehmen strategisch aufstellen will, welche Bedeutung dabei S/4HANA hat, welche Anpassungen bei den Prozessen und den Stammdaten vorgenommen werden müssen und wie eine geeignete Roadmap aussehen kann. Das Asset Management sollte dabei unbedingt berücksichtigt werden.

Von Echtzeit-Analysen bis zur Planung

Um in diesem Feld das Potential von S/4HANA richtig einzuschätzen, lohnt zunächst ein Blick darauf, was IT prinzipiell für das Asset Management leistet: IT erfasst und analysiert systematisch Daten aus sämtlichen Asset-Management-Prozessen, damit auf dieser Basis Entscheidungen getroffen werden, die dazu dienen, das Asset Management effektiv, effizient und sicher zu betreiben. Ziel ist es, mit dem Asset Management die Wertschöpfung des Unternehmens zu steigern und gleichzeitig die Kosten für das Asset Management so gering wie möglich zu halten. Es geht also beispielsweise darum, welche Maschinen und Anlagen für die Wertschöpfung überhaupt notwendig sind, wie diese optimal betrieben werden, welche Instandhaltungsstrategie sinnvoll ist und wann ein Asset durch eine neue Maschine oder Anlage ersetzt werden soll.

Um Antworten darauf und auf weitere Fragen zu finden, lassen sich viele Unternehmen bislang von SAP ERP bzw. SAP Plant Maintenance (SAP PM) unterstützen. Und das sehr erfolgreich. Mit S/4HANA lässt sich aber ein zusätzlicher Nutzen erzielen – das Asset Management wird in der Folge noch effektiver, effizienter und sicherer. Durch die Zusammenführung von Prozess- und Maschinendaten wird zudem ein ganzheitlicher Blick auf das Asset Management möglich – so wie es die Norm ISO 55001 fordert. Dabei sind folgende Aspekte wesentlich:

  • Real-Time-Analysen und Embedded Analytics
    Zur Beurteilung der Leistung des Asset Managements dienen technische Kennzahlen wie Mean Time to Repair (MTTR), Mean Down Time (MDT) oder Mean Time between Failure (MTBF). Wichtig sind ausserdem kaufmännische Werte, mit denen sich die Kosten erfassen und analysieren lassen. Sämtliche KPIs werden auf Basis grosser Datenmengen generiert. Bislang ist es deshalb nur möglich, die Vergangenheit zu betrachten. Mit S/4HANA lassen sich die Echtzeitdaten nutzen, um Prognosen zu errechnen und unterschiedliche Szenarien zu simulieren. Sie erkennen damit auch, in welchen Bereichen Risiken entstehen und können frühzeitig handeln. Alles in allem sind Unternehmen dank Real-Time-Analysen und Embedded Analytics nicht mehr gezwungen, auf Situationen zu reagieren. Stattdessen können sie agieren.

  • Simplifikation der User Experience durch SAP Fiori
    Bei den Anwendern aus den Fachbereichen steht SAP häufig in der Kritik, weil die Oberflächen nur wenig benutzerfreundlich sind – um es zurückhaltend auszudrücken. Auf Basis von SAP Fiori lassen sich nun Anwendungen realisieren, die eine deutlich verbesserte User Experience ermöglichen. Und das nicht nur auf dem Desktop, sondern auch auf mobilen Endgeräten. So können Apps nicht nur optisch und funktional so gestaltet werden, dass die Handhabung intuitiv möglich ist. Sie lassen sich auch für unterschiedliche Rollen ausprägen. Vorteilhaft ist auch, dass jeder Anwender seine Applikationen über ein zentrales Cockpit verwalten kann. Der zentrale Zugriff auf die einzelnen Apps und die Integration unterschiedlicher UI-Technologien stellen die kontinuierliche Erweiterung des Funktionsumfangs und eine durchgehende User Experience sicher.

  • Integration von Geo-Informationssystemen
    Aufgrund der grossen Anzahl von einzelnen IT-Systemen für unterschiedlichen Fach- und Verantwortungsbereiche eines Unternehmens entstehen in der Regel Datensilos. Das führt zu einem unvollständigen Abbild und beeinträchtigt die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen. Daher lohnt sich der Einsatz des SAP Geographical Enablement Framework (GEF), das die Integration von Geographischen Informationssystemen (GIS) ermöglicht. Speziell für das Asset Management wurde das SAP Geographical Framework for SAP S/4HANA Asset Management entwickelt. Damit lassen sich geofähige Assets visualisieren, integrieren und mit Geschäftsprozessen und Auswertungen verknüpfen.

  • Stichwortesuche in der gesamten ERP-Suite
    Mithilfe von SAP Enterprise Search for HANA (SAP ESH) ist es möglich, in SAP S/4HANA Stichwortsuchen durchzuführen: Zu einem bestimmten Suchwort werden alle Objekte angezeigt, die dieses Wort enthalten – technische Assets, Instandhaltungsaufträge, Bestellungen, Dokumente, Kundenstammsätze etc. Dadurch lassen sich Informationen sehr viel schneller finden, Entscheidungen können rascher getroffen werden. Das ist unter anderem für die Störungsanalyse, Remote-Services oder das Stammdatenmanagement relevant.

  • Exakte Planung von Mitarbeitern und Werkzeugen
    Ressource Scheduling for HANA (SAP RSH) bietet als Ergänzung zu SAP Multiresource Scheduling (SAP MRS) zusätzliche Funktionen, mit denen sich der Einsatz der Mitarbeiter und von Werkzeugen exakter planen lässt.

Mit SAP S/4HANA lassen sich also verschiedene Aspekte des Asset Managements optimieren und es werden neue Szenarien möglich. Darüber hinaus können eigenständige SAP-Technologien, die für das Asset Management relevant sind, leicht integriert werden. Dazu zählen vor allem Asset-Management-spezifische Anwendungen aus dem Digital Innovation System SAP Leonardo. So ermöglicht es zum Beispiel das Asset Intelligence Network (SAP AIN), Daten zu Assets auszutauschen und gemeinsam zu nutzen, um auf diese Weise deren Betrieb und Instandhaltung effizienter zu gestalten oder Maschinen und Anlagen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei Digital Twins – also die digitalen Abbilder von analogen Maschinen und Anlagen. SAP Predictive Engineering Inside (PEI) und SAP Predictive Maintenance and Service (SAP PdMS) versetzen Unternehmen in die Lage, den Zustand ihrer Maschinen und Anlagen kontinuierlich zu überwachen das zukünftigen Verhalten der Assets vorherzusagen.

Bei all diesen Innovationen bleibt eines unverändert, das SAP schon seit Jahrzehnten stark macht: Auch unter SAP S/4HANA sind sämtliche Fach- bzw. Unternehmensbereiche technologisch vollständig integriert. Das Asset Management ist also auch weiterhin direkt mit sämtlichen kaufmännischen Prozessen und der Materialwirtschaft, mit dem Personalwesen und den Abläufen in der Produktion verbunden – um nur einige zu nennen. Das garantiert einen medienbruchfreien Datenaustausch im ganzen Unternehmen und sogar über Unternehmensgrenzen hinweg.

 

Fabian Sommer

Business Development Manager

Telefon: +41 71 669 33 50 
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